Rekonstruktion / Denkmalpflege
Vom Umgang mit historischen Baustoffen
Neben den Planungen für Neubauten nimmt das Bauen im Bestand eine wichtige Rolle in meiner Tätigkeit als Architekt ein.
Bestehende Gebäude werden saniert, umgenutzt und erweitert, um den heutigen Ansprüchen und Nutzungen gerecht zu werden.
Dabei gilt es, die historische Substanz zu pflegen und gleichzeitig Möglichkeiten für gute, moderne Architektur zu schaffen.
Neben den Belangen des Denkmalschutzes sind dabei vor allem auch Kenntnisse historischer Baustoffe und Bautechniken von Belang.
Planer und Handwerker müssen hier in besonderer Weise gemeinsam die vorgegebenen Baustrukturen respektieren und dem Planungskonzept entsprechend eingreifen.
Neben der baulichen Erhaltung und Sicherung des konstruktiven Gebäudebestandes besteht die Herausforderung des planenden Architekten vor
allem darin, Alt und Neu miteinander zu verbinden und so den richtigen Stil- und Materialmix für das jeweilige Gebäude mit der jeweils vorgesehenen Nutzung zu finden.
Heimatschützlerisches Anpassen ist dabei ebenso wenig gefragt wie das rücksichtslose Einfügen neuer Strukturen in die historische Substanz.
In Abstimmung mit den Zielen der Denkmalpflege und den Vorgaben durch das Nutzungskonzept wird historisches Material ersetzt und ergänzt,
weiches aufgrund verschiedenster Einwirkungen zerstört , entfernt oder beschädigt wurde.
Oftmals reichte eine unbedachte und unqualifizierte Sanierung in der Vergangenheit aus, um wertvolle Substanz unwiderruflich zu zerstören.
Auch in der je nach Projekt hinzuzufügenden Neubausubstanz lassen sich alte Bauelemente und Baustoffe integrieren, die oftmals sogar aus anderer Stelle
im selben Gebäude stammen, dort nicht mehr gebraucht werden und somit an ihrem (fast) angestammten Ort erhalten werden können.
Der Einsatz historischer Baustoffe aus alter handwerklicher oder auch industrieller Fertigung kann so dazu beitragen, Geschichte und Funktion
des Bauteiles zu dokumentieren und zu erhalten und mit der entsprechenden Patina Zeugnis des Alters und Alterns abzugeben.
Ohne die Kenntnis historischer Bau- und Fertigungstechniken ist all dies nicht möglich, denn noch vor wenigen Jahrzehnten waren Baustoffe aus Kunststoff,
Tropenholz oder Verbundmaterialien, moderne Montagetechniken (Kleben, Schäumen, Tackern), sowie ein Großteil aller Baustoffe mit schadstoffhaltigen
Emissionen nahezu unbekannt.
Der selektive Rückbau von Gebäuden anstelle des früher allgemein üblichen Abrisses trägt dazu bei, dass entsprechende Bauelemente, Massenbaustoffe wie Ziegel
und Hölzer, aber auch kleinteilige Beschläge und Fliesen von spezialisierten und mittlerweile gut organisierten Fachhändlern für historische Baustoffe
regional und bundesweit zu beschaffen sind.
Und dies oft zu Preisen, die nicht unbedingt immer über den Richtwerten für konventionelle bzw. sonst allgemein übliche Baumaterialien liegen müssen.
Die Wiederverwendung dieser Materialien (wenn auch manchmal in einem anderen Kontext) ist Recycling auf höchster Wertstufe und gleichzeitig
Rettung von Kulturgut, Schonung von Energie- und Stoffressourcen und Einsparung von mittlerweile knappem Deponieraum.
Die Ergebnisse dieser Bemühungen können sich sehen lassen, denn neben dem Erhalt der Wertbeständigkeit des Bauwerks entstehen so auch neue
Gebäudenutzungen mit Qualität und Atmosphäre.